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Arten und Elemente

Künstler: Markus Heinsdorff

Ausstellungskatalog

Jahr: 2019

Herausgeber / Verlag / Institution: Kallmann-Museum, Ismaning

Autor*innen: Rasmus Kleine; Juliane Diller

Format / Umfang: 16 × 23 cm, 56 Seiten, farbige Abbildungen

Text: Deutsch

„Arten und Elemente“ ist eine umfassende Ausstellung von Markus Heinsdorff, die 2019 mit neun raumgreifenden Installationen das Kallmann-Museum sowie den umliegenden Schlosspark bespielte. Die eigens für das Museum entwickelten Arbeiten verbinden künstlerische Ästhetik mit Prinzipien wissenschaftlicher Forschung und beschäftigen sich mit dem Eingreifen des Menschen in natürliche Systeme, Klimawandel und Artensterben sowie mit der Ausbeutung natürlicher Ressourcen und ihrem weltweiten Handel – der Natur als Ware. Installationen wie Moor, Windraum, Algenlabor und Salzblock sowie umfangreiche Sammlungen von Naturfundstücken machen das Museum zu einer begehbaren Entdeckungslandschaft zwischen Kunst, Natur und Wissenschaft.



(Katalog Auszug)


Die Ausstellung umfasst mehrere raumgreifende Installationen im Kallmann-Museum selbst sowie im umliegenden Schlosspark, die Heinsdorff eigens für diese Ausstellung entwickelt hat. Die Ausstellung setzt sich mit dem Reichtum der Natur sowie mit dem komplexen, oft widersprüchlichen Verhältnis von Mensch und Natur auseinander. So thematisiert Heinsdorff das Eingreifen des Menschen in natürliche Systeme, Klimawandel und Artensterben sowie die Ausbeutung natürlicher Ressourcen und den globalen Handel. Zugleich widmet er sich der faszinierenden Vielfalt der Arten und Elemente sowie der menschlichen Neugier an den Erscheinungen der Natur, dem Forscher- und Entdeckerdrang, der uns immer tiefer in die Geheimnisse der Natur hat eindringen lassen.

Markus Heinsdorff (geb. 1954) ist ein künstlerischer Grenzgänger, dessen Schaffen sich an den Schnittstellen von Kunst, Architektur, Wissenschaft und Technik bewegt. Er steht damit exemplarisch für einen Künstlertypus, der nicht nur klassische Gattungsgrenzen überschreitet, sondern seine Arbeit in Kooperation mit Partner:innen aus anderen Tätigkeitsfeldern entwickelt. Ursprünglich ausgebildet als Goldschmied, studierte er Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. In den 1990er Jahren baute er kinetische Skulpturen, die die Bewegungen der Luft anschaulich erfahrbar machten, sowie Maschinen, die natürliche Phänomene wie Wasserstrudel, Luftringe und Strömungen erzeugten und als Objekte der ästhetischen Anschauung präsentierten. Heinsdorff hat außerdem ein umfangreiches bauliches Werk vorzuweisen, das er in zahlreichen Ländern verwirklichte, u.a. in China, Indien, Indonesien, Peru und mehreren europäischen Ländern.

In der Ismaninger Ausstellung verbindet Heinsdorff nun künstlerische Ästhetik mit Prinzipien wissenschaftlicher Forschung und technischer Gestaltung. So installiert er einen „Moorsee“ im Museum, der nicht nur eine meditative Versenkung in die Landschaft erlaubt, sondern Fragen aufwirft nach dem Verhältnis von Mensch und Natur sowie von Kunst und Natur. Sein „Windraum“ wiederum besteht aus einem geometrisch gestalteten, begehbaren Raum im Museum, in dessen Innerem sich aus künstlichem Nebel ein Tornado bildet, der nach kurzer Zeit in sich zusammenfällt. Die strenge Geometrie der Konstruktion steht im Widerspruch zur ungeordneten Kraft des Wirbelsturms. In einem weiteren Raum richtet Heinsdorff ein „Algenlabor“ ein, das wissenschaftliche Zuchtstation und ästhetisches Objekt zugleich ist und in dem durch zwei Maschinen verschiedene Algen gezüchtet werden, die während der Ausstellungsdauer wachsen und entnommen werden.

Heinsdorff ist aber auch ein Sammler, der in vielen verschiedenen Ländern unzählige Pflanzen- und Tierobjekte gefunden und archiviert hat. In der Ausstellung werden hunderte dieser Fundstücke in 26 Vitrinen, einem Schwerlastregal sowie an der Wand hängend präsentiert: Blätter, Pflanzen, Samen, Hölzer, Gewebestrukturen, Knochen und viele weitere, oft nur schwer identifizierbare Dinge. In einer zunehmend entzauberten Welt, in der die Wissenschaft immer tiefer in die Geheimnisse der Natur eindringt und sich die Forschung längst vom Erleben des Laien abgekoppelt hat, zelebriert Heinsdorff mit dieser Installation eine ursprüngliche menschliche Neugier und ein Staunen an der Vielfalt der Erscheinungen. Darüber hinaus setzt Heinsdorff sich in der Ausstellung mit der Geschichte der Rohstoffe und dem weltweiten Handel auseinander. So hat er vor dem Kallmann-Museum einen großen gebrauchten Überseecontainer aufgestellt, in dem auf einer Holzpalette ein massiver, strahlend weißer Block steht, gepresst aus rund 1,8 Tonnen Salz. Weitere Installationen der Ausstellung beschäftigen sich mit Insektenvielfalt und Insektensterben, mit bedrohten heimischen Pflanzen sowie der Rohstoffgewinnung.

So ist „Arten und Elemente“ als ästhetische Entdeckungsreise zu Phänomenen und Prozessen der Natur konzipiert, die den meisten Menschen normalerweise verborgen bleiben. Projektpartner:innen waren unter anderem der Filmemacher Alexander Kluge, die Zoologische Staatssammlung München, der Lehrstuhl für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen an der TUM, die Bayerische KulturLandStiftung und der Lehrstuhl für Renaturierungsökologie an der TUM. 


Rasmus Kleine

Autor / Autorin


Rasmus Kleine ist Kunsthistoriker, Kurator und Leiter des Kallmann-Museums Ismaning. Er ist zudem als Lehrender am Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig. Seine Arbeit umfasst moderne und zeitgenössische Kunst sowie Provenienzforschung.


Prof. h. c. Dr. Juliane Diller (1954) ist Biologin und Leiterin der Forschungsstation Panguana im peruanischen Regenwald. Sie war langjährig an der Zoologischen Staatssammlung München tätig, zuletzt als stellvertretende Direktorin. Ihr wissenschaftliches Engagement gilt insbesondere der Erforschung und dem Schutz des tropischen Regenwaldes.

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2026

Markus Heinsdorff Copyright.

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